nimm und lies

Kirchenblatt der Würzburger Augustiner
Nr. 286 -  Anfang Oktober bis Ende November 2019

NUR GRAUE SUPPE

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Es ist Sommer.« So die schlichte Feststellung von P. Lukas in der letzten Ausgabe von ›nimm und lies‹. Und nun, was soll ich sagen...Es ist Herbst! Und zwar richtig. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einer Ferienwohnung in Südtirol, um noch ein paar Tage Urlaubsgefühle aufkommen zu lassen, bevor in wenigen Tagen die Uni wieder ihren Semesterbetrieb auf-nimmt. So jedenfalls war der Plan. Und nun schaue ich aus dem Fenster. Es regnet. Und es ist kalt. Von den Bergen um mich herum ist nichts zu sehen. Ich sitze inmitten einer grauen Suppe. Dass sich dann und wann der Himmel gnädig erweist und Ansätze von etwas durchlässt, das entfernt an Sonnenstrahlen erinnert, lässt mich zwar kurz aufatmen und doch muss ich mich damit abfinden: Der Sommer ist vorbei.

Für mich gar nicht so leicht zu akzeptieren, denn ich liebe den Sommer. Und doch hat der Herbst, das kann auch ich nicht verleugnen, seine schönen Seiten. Für viele ist er die schönere Jahreszeit. Gerade weil die Temperaturen nicht mehr in unerträgliche Sphären klettern und sich die Natur so vielseitig zeigt, wie nie. Das Farbenspiel, das uns der Herbst bietet, ist schlichtweg beeindruckend. Im Zusammenspiel mit der nicht mehr ganz so hoch stehenden Sonne lässt es unsere Landschaften in ganz besonderem Licht erscheinen. Und noch etwas kommt hinzu. Herbstzeit ist Dankeszeit. Es ist die Zeit, danke zu sagen.

Für die Wochen, die uns der Sommer geschenkt hat. Für die Grillabende, für die Weinfeste, für den Urlaub. Dafür, dass wir wieder wohlbehalten zuhause angekommen sind. Danke aber insbesondere für die in diesem Jahr einge-fahrene Ernte. Deshalb feiert die Kirche seit Generationen im Herbst – heuer am 6. Oktober – ›Erntedank‹. Ein Fest, das mir seid Kindesbeinen vertraut ist, das aber doch – zumindest für große Teile meiner Generation – eher fern vom eigenen Lebensumfeld steht. So selbstverständlich ist es geworden, dass die Auslagen der Supermärkte das runde Jahr gefüllt sind, dass wir im Überfluss an Nahrungsmitteln leben. Zu der harten Arbeit der Landwirte, zu ihrem Zittern um die richtigen klimatischen Bedingungen und ihrer Sorge, mit einem Hagelschlag einen Großteil der Ernte zu verlieren, fehlt uns – mir zumindest – oft der Bezug.

Hier scheint sich aber in diesem, wie bereits im letzten Jahr, einiges getan zu haben. Wie nie zuvor sind die klimatischen Veränderungen in das Bewusstsein vieler Menschen vorgedrungen. Tausende gehen in den Städten unseres Landes – auch in Würzburg – für eine sich verändernde Klimapolitik auf die Straße. Sie wollen uns wachrütteln für das, was für die Frauen und Männer in der Landwirtschaft längst alltäglich ist. Sie sind die ersten, die die Auswirkungen von Erderwärmung und sinkendem Grundwasserspiegel zu spüren bekommen. Und auch wenn der diesjährige Jahreserntebericht des Bundeslandwirtschaftsministerium insgesamt ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr attestiert, gilt dies nicht für alle Bereiche der Landwirtschaft. Einen Grund, sich zurückzulehnen, liefert er also nicht. Stattdessen sollten wir die einmal aufgenommene Fahrt fortsetzen und der klimapolitischen Wende die Bedeutung einräumen, die ihr unter den Zeichen der Zeit zusteht. Zugleich dürfen wir den Menschen dankbar sein, die sich tagtäglich den klimatischen Bedingungen zu stellen haben und in der Landwirtschaft für die Grundlagen unseres Bedarfs an Lebensmitteln Sorge tragen.

Unter diesen Gesichtspunkten fällt es mir dann auch leichter, den – insbesondere von den Landwirten – erhofften Regen zu erdulden. Außerdem ist es in meiner Wohnung ja warm. Auch die Hoffnung auf einen goldenen Oktober stirbt zuletzt und selbst der November muss längst nicht so trist sein, wie sein Ruf.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen einen schönen Einstieg in den diesjährigen Herbst. Bleiben Sie dankbar!

Ihr Br. Michael OSA

Unser "nimm und lies"  erscheint etwa vier bis fünf Mal pro Jahr (themengebunden).

Eine aktuelle Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: nul_2019_286 (312KB)

Ältere Ausgaben:

nul_2019_285 (332KB)

nul_2019_284 (385 KB)

nul_2019_283 (1,1 MB)

nul_2019_282 (5,5 MB)

nul_2018_281 (614 KB)

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