nimm und lies

Kirchenblatt der Würzburger Augustiner
Nr. 283 -  Anfang März bis Anfang April 2019

"Fastenzeit"

Liebe Leserinnen und Leser,

Draußen scheint die Sonne hell und klar, während ich an meinem Computer sitze und mir Gedanken zur Fastenzeit mache. Eigentlich habe ich keine Lust dazu. Ich wünsche mir gerade die Fülle: an Sonnenstrahlen, an Blüten, eben an all dem, was ich in den grauen Wintertagen vermisst habe. Dünne Fastensuppe an grauen Tagen brauche ich nicht. Ich bin ohnehin zu dünn. Und trotzdem gibt es da auch etwas, worauf ich mich zumindest ein bisschen freue.

Es mag eigenartig klingen, aber ich freue mich auf das, was in der Bibel als Umkehr bezeichnet wird. Ich möchte mir, wie in jedem Jahr um diese Zeit, wenn das Leben aller Orten das Wintergrau durchbricht, ein bisschen mehr auf die Schliche kommen. Was hat sich bei mir wieder eingeschlichen – an Gewohnheiten, an Dummheiten, an Süchten? Ist es das, was ich mir für mein Leben wünsche, was ich erhoffe zum Glücklich sein? Sehnsüchte sind mir da um einiges lieber als Süchte. Und die möchte ich mal wieder pflegen. Das heißt noch lange nicht, dass für jede Sehnsucht sofort eine Erfüllung zur Stelle sein muss. Dafür ist es viel zu schön, sie spüren – und viel zu schade, sie gleich wieder zu stillen und zum Schweigen zu bringen.

Denn in der Sehnsucht steckt für mich so viel Lebendigkeit, und der möchte ich in mir auf die Spur kommen. Darum wird einer meiner Fastenvorsätze Genießen heißen. Nicht immer, aber von Zeit zu Zeit. So als ob ich von Zeit zu Zeit bei einer Wanderung durch die Wüste auf eine Oase stoße. Da freue ich mich dann auch auf einen gedeckten Tisch und auf das Glas Wein mit lieben Menschen getrunken. Auch – oder gerade – in der Fastenzeit. Und wenn mein innerer Schweinehund vorwurfsvoll sagt: Mach nur so weiter, antwortet meine Sehnsucht ganz beschwingt: Ich lasse mich von dieser Welt berühren, auch von ihren schönen Seiten.

So möchte ich Ostern entgegengehen, dem Fest der großen Sehnsucht nach dem Leben. Vielleicht haben Sie ja auch Lust dazu, der Fastenzeit ihre schönsten Seiten abzugewinnen, Gewohnheiten, Dummheiten und Süchte durch Sehnsüchte zu ersetzen, und die Oasen nicht zu vergessen, die zur Wüstenwanderung dazu gehören.

Ihr

P. Dominik

Unser "nimm und lies"  erscheint etwa vier bis fünf Mal pro Jahr (themengebunden).

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