nimm und lies

Kirchenblatt der Würzburger Augustiner
Nr. 284 -  Ende Mai bis Anfang August 2019

"die ruach - die Geistkraft Gottes"

Liebe Leserinnen und Leser,

hat Gott eine weibliche Seite? Da er uns Menschen als sein Bild, ihm ähnlich, geschaffen hat, wie die Genesis im Vers 1, 26 sagt, und da er uns, wie ein Vers später zu lesen ist, männlich und weiblich geschaffen hat, muss ja wohl in Gott auch Weiblichkeit und Fraulichkeit sein. Und, man mag es sehen wie man will, zu Pfingsten bricht sich diese weibliche Seite Gottes Bahn.

Ich weiß, dass das kein selbstverständlicher Gedanke ist. Gerne will ich ihn erklären. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ruach ist »Atem«, »Wind«, »Wehen«, »Hauch«. Es geht immer um Luft und Bewegung. Vor meinen Augen entstehen Bilder von Bäumen, die sich im Wind bewegen, und von sich blähenden Segeln auf Wasserbächen. Ich sehe Windräder, die sich drehen, und wirbelnde Herbstblätter, die der Wind vor sich her treibt. Es reicht von sanft vergehendem Windhauch, den der Prophet Elija spürt, als er vor die Höhle tritt, bis hin zum brausenden Sturm, der die Wogen des Meeres aufbauscht.

Es ist der Atemzug, der den ersten Schrei eines Neugeborenen formt und der Atem, der Tag für Tag das Leben am Leben erhält – und wohl auch der letzte Atemhauch, mit dem ein Sterbender sein Leben wieder hergibt. All das ist ruach. All das ist Gott. All das ist Geistkraft Gottes.

Es ist die weibliche, die Leben schaffende, die lebendig machende und die bewegte und agile, die aktive und nie ruhende Seite Gottes.

Und zu Pfingsten wird sie deutlich. Da tritt sie deutlich auf, denn schließlich wird in der Apostelgeschichte mit diesem Bild die Sendung der Geistkraft Gottes beschrieben. Im Johannesevangelium ist es Jesus, der zu seinen Jüngern kommt, durch verschlossene Türen kommt und sie anhaucht und ihnen sagt: Empfangt den Heiligen Geist.

In der Tradition des Evangelisten Lukas tut sich ein gewaltiges Bild auf. Die Jüngerschaft Jesu ist versammelt. Auch sie halten sich versteckt und die Türen verschlossen. Aber was könnte die ruach schon aufhalten – keine Mauern, keine Türen, keine Angst. Wie ein gewaltiger Sturm kommt sie über jene, die da versammelt sind. Und dieser Sturm – ein sonderbares Bild – löscht Feuer und Licht nicht aus.

Sie bringt Feuerzungen mit sich, entzündet, begeistert und schwemmt mit einem mächtigen Schwall Leben in ihre Herzen, in ihren Geist. Das ist ruach – Atem, Wind und Geistkraft. Das ist Verlebendigung und weibliche Kraft von Gott her. Sie setzt Kräfte und Möglichkeiten frei, drängt ins Leben und lässt etwas neu werden.

Ja, Gott hat eine weibliche Seite. Es kann nicht anders sein. Und ich wünsche Ihnen allen, dass Sie gerade an Pfingsten etwas von dieser wunderbaren Seite Gottes, von dieser Kraft, etwas von ruach, erleben.

Ihr

P. Lukas

Unser "nimm und lies"  erscheint etwa vier bis fünf Mal pro Jahr (themengebunden).

Eine aktuelle Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: nul_2019_04(385 KB)

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