Alle Wege führe nach Rom...und noch mehr durch Rom!

verfasst von Andreas Schraut

Diese Erfahrung durften wir, eine Gruppe junger Erwachsener, machen, die sich mit P. Felix auf eine Reise in die Ewige Stadt begaben. Unter dem Motto „Heiliges Nachglühen“ ließen wir uns auf eine sechstägige Reise in und durch die Stadt ein.

Warum „Nachglühen“? Zum einen wollten wir die Nachwirkungen des Heiligen Jahres spüren, ohne den üblichen Trubel dieses Ereignisses selbst spüren zu müssen. Zum anderen war die Zusammensetzung unserer Gruppe selbst ein „Nachglühen“ – handelte es sich doch überwiegend um aktuelle und ehemalige Teamer des jährlich stattfindenden AMT. In diesem Rahmen war der Gedanke entstanden, eine Reise zu den Ursprüngen des „Ideengebers“ Augustinus zu unternehmen – wenn auch nicht nach Nordafrika, dann wenigstens nach Rom.

Darin lag dann der Grund, warum wir nicht (nur) die üblichen Touri-Punkte der Stadt besuchten (Colosseum, Forum Romanum, Trevi-Brunnen etc.), sondern überwiegend den augustinischen Spuren in Rom nachgingen. Dazu gehörten auch die Spuren derer, die in der Tradition des Kirchenvaters lebten: In Santa Maria del Popolo hörten wir von Martin Luther, der auf seiner Romreise in einer der Seitenkapellen die Messe gefeiert hatte, in Sant‘ Agostino hatten wir die Gelegenheit, das Grab der hl. Monica zu besuchen, und auf der Dachterrasse des Collegio Santa Monica beteten wir quasi auf Augenhöhe mit Papst Franziskus den Angelus. Auch wenn die wenigsten von uns die auf Italienisch gehaltene Ansprache verstanden, so wurde uns dennoch ein Eindruck vermittelt, dass sich mit diesem Papst etwas in der Kirche bewegt.

Zwei Beispiele verstärkten diesen Eindruck noch: Wir stiegen in die Grotten unter den Petersdom hinunter, um in der dortigen Nekropole das Grab des Hl. Petrus und somit die archäologische Umsetzung von Mt 16,18 („Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“) und den Primat des Papstes zu besichtigen. Papst Franziskus hob hingegen in seiner Angelus-Ansprache hervor: „Gott ist der Fels unseres Heils, an dem wir uns in der Gewissheit festhalten können, nicht zu fallen.“ Ein weiteres Beispiel war der Gottesdienst mit dem Papst, den wir am Aschermittwoch in Santa Sabina auf dem Aventin zusammen mit vielen anderen Besuchern feierten. In seiner Predigt war die Umkehr der zentrale Begriff, die uns Menschen hinführt zur Barmherzigkeit Gottes und schließlich zum wahren Leben.

Dieser Spanne zwischen Tod und Leben spürten wir im zweiten Teil der Reise nach, wo wir die Inhalte der Kar- und Ostertage bereits vorab in den Blick nahmen. In Santa Croce in Gerusalemme gedachten wir der Passion Jesu. Auf dem Campo Verano, dem römischen Friedhof, meditierten wir über den Tod, dem wir zuvor auch schon in der Kapuzinergruft mit ihrer skurrilen Kunst aus Skelettresten begegnet waren. Mit dem österlichen Element der Tauferneuerung in Santa Maria degli Angeli e dei Martiri „sprangen wir dem Tod von der Schippe“, wobei wir uns bewusst wurden, dass durch Ostern der Tod nie das Ende, sondern immer der Beginn eines neuen Lebens ist. Schon einige Tage vorher war dieses Bewusstsein in der Abbazia delle Tre Fontane geschärft worden: Der Legende nach soll der Kopf des Apostels Paulus unmittelbar nach der Enthauptung dreimal über den Boden gehüpft sein. An jeder Stelle, an der er den Boden berührte, entsprang eine Quelle, was als Ursprung neuen Lebens gesehen wird.

Neben den augustinischen Spuren in dieser Reise war in erster Linie die Begegnung ein wichtiger Bestandteil: Für die meisten war es die erste Begegnung mit der wichtigsten Stadt der (christlichen) Geschichte überhaupt, für andere war es die Begegnung mit vielen kleinen Details, auf die wir dank Felix‘ fundierter Kenntnisse aufmerksam gemacht wurden. Keineswegs zu kurz kam die Begegnung mit der italienischen Lebensweise bei leckerem Essen, Pizza, Eis, Chinotto… Und es war eine Begegnung mit jungen und alten Augustinern, vor allem mit P. Franz, der zu den Urgesteinen des AMT gehört, und P. Jeremias, der sich mit einer kleinen Gruppe ebenfalls in Rom aufhielt. Und so soll Augustinus das letzte Wort haben: „Wunderbar hast du, Gott, mich geleitet, dass mir geraten wurde, nach Rom zu reisen.“