Augustinerkloster St. Rita

Aus dem Pflänzchen wurde ein Baum 

Vor über 80 Jahren übernahmen die Augustiner die in Reinickendorf-West neu errichtete Kuratie St. Rita. Die kirchenaufsichtliche Genehmigung für den Vertrag, der zu diesem Zwecke zwischen dem Fürstbischöflichen Delegaturamt zu Berlin und der Deutschen Provinz der Augustiner-Eremiten geschlossen worden war, erteilte der Fürstbischof von Breslau Kardinal Bertram zum Augustinusfest 1929. Dieses Datum betrachteten wir als den eigentlichen Beginn unserer Gemeinde.

Nach dem Provinzkapitel im Jahr 2011 beschloss dann die Provinzleitung der Deutschen Augustiner, die Verantwortung für die Pfarrei St. Rita an das Erzbistum Berlin zurückzugeben und die Pfarrstelle nicht mehr zu besetzen. Am 25. August 2012 wurden P. Matthäus Klein als Pfarrer und Br. Eugen Alban im Rahmen des Augustinusfestes von der Gemeinde verabschiedet. Seit September 2012 unterstützen P. Helmut Lückhoff neben seiner Aufgabe als Klinikseelsorger in der Forensik und P. Ansgar Wehr als Senior den Pfarrer bei der Seelsorgsarbeit in der Pfarreien St. Rita und St. Marien.

 

P. Helmut Lückhoff

P. Ansgar Wehr


"Mit Gottvertrauen in die Zukunft"

Abschied von St. Rita in Berlin

Noch vor einigen Jahren Feierstimmung in Berlin/St. Rita und nun der Abschied. Vor nunmehr fast 83 Jahren übernahmen wir Augustiner die Aufgabe in Berlin. Nun müssen wir diese, in die viele Mitbrüder Kraft und Liebe investiert haben, an das Erzbistum Berlin zurückgeben.

Am Beginn stand eine Vision. P. Clemens Fuhl schreibt im Januar 1923, dass die Entscheidung des Definitoriums, nach Berlin zu gehen, darin ihren Grund habe, dass die Augustiner auf die geistige Not der modernen Zeit reagieren wollen. „Von allen Kennern des pastoralen Bedürfnisses wird stark hervorgehoben, dass die Seelsorge in den Großstädten zur Zeit die dringendste ist und unter diesen wieder am meisten in der Diaspora. Unser Orden hat von Anfang an das Bestreben gehabt, in der Seelsorge immer dort einzugreifen, wo das dringendste Bedürfnis ist. (…) Da schien es an der Zeit, den schreienden Bedürfnissen der Gegenwart Rechnung zu tragen und ein Arbeitsfeld in einer modernen Großstadt dem Orden zu verschaffen.“ Es war ein schwieriges Unterfangen, in Berlin Fuß zu fassen. Erst am 1. November 1929 konnte die Kuratie St. Rita mit dem dazugehörigen Kloster in Berlin-Wittenau-Reinickendorf eröffnet werden. Als Kirche diente die Allerheiligenkapelle auf dem Hedwigsfriedhof. Mit dem Zuzug vieler katholischer Flüchtlinge nach dem Krieg war die Kapelle zu klein geworden, und eine neue Vision stand im Raum: eine eigene Kirche. Im September 1951 wurde der erste Spatenstich vorgenommen, und am 22. Juni 1952 war der ersehnte Weihetag von St. Rita. In den Kirchenbau integriert waren Gemeindesaal, Kindergarten und Jugendräume, gute äußere Voraussetzungen für ein lebendiges Gemeindeleben. Und das konnte und kann man in St. Rita erleben. Zwar hat der demografische Wandel auch vor dieser Gemeinde nicht haltgemacht, und Menschen unterschiedlichster  Nationen prägen heute das Gesicht der Gemeinde, so dass das jährliche Gemeindefest schon als „Fest der Nationen“ gefeiert wurde, aber die Lebendigkeit ist geblieben. Die Zahl der Gemeindemitglieder ist immer noch am Wachsen, und im sonntäglichen Familiengottesdienst feiern Groß und Klein miteinander, ohne dass es eine Rolle spielt, wo die Einzelnen ihre Wurzeln haben.

So gibt es bei aller Traurigkeit und Enttäuschung über den Weggang der Augustiner und bei aller Unsicherheit in der Neuordnung der pastoralen Räume im Norden Berlins, auch Aufbruchsstimmung: „Lassen wir uns auf Neues ein, gehen wir offen aufeinander zu und mit Gottvertrauen in die Zukunft.“ – lautet der Wunsch des Kirchenvorstands und Pfarrgemeinderates von St. Rita.

Im feierlichen Gottesdienst aus Anlass des Festes unseres Ordensvaters Augustinus wird, im Beisein von P. Provinzial Alfons Tony, der Gemeindepfarrer P. Matthäus Klein verabschiedet, der ab dem 1. September erst mal in Münnerstadt St. Josef wohnen wird, und mit ihm Br. Eugen Alban. Er wird ab dem 1. September in Würzburg St. Thomas leben.

Der Gemeinde St. Rita aber wünschen wir weiterhin Lebendigkeit und immer wieder Visionen für eine gute Zukunft.   
P. Dominik Wernicke

 

Zur Geschichte

Seit dem Jahr 1929 gibt es unseren Konvent in Berlin/ Reinickendorf. Nachdem einige Patres unseres Ordens schon vorher in dieser Region seelsorgerlich gewirkt hatten, übernahmen damals die Augustiner offiziell die Seelsorge in der neu errichteten Kuratie St. Rita, die vom Pfarrgebiet St. Marien abgetrennt wurde. Das Seelsorgegebiet umfasste zunächst weite Teile von Reinickendorf West, Wittenau und reichte über ein weit gedehntes Laubengebiet bis tief hinein nach Lübars. Als Wohnort der drei Patres und der beiden Brüder diente zunächst eine Mietwohnung in der Oranienburger Straße. Im Jahre 1935 wurde unser Kloster in der General-Woyna-Straße errichtet mit Pfarramt, Jugendräumen und einen Pfarrsaal. Über dreiundzwanzig Jahre hinweg musste der Gottesdienst in behelfsmäßigen Räumen gehalten werden. Pfarrkirche für Reinickendorf-West war die Kapelle des St. Hedwigsfriedhofs. In Wittenau stellten die Marienschwestern die Kapelle ihres Kinderheims zur Verfügung. In Lübars wurde eine Laube als Kapelle eingerichtet.

Am 14. August 1951 wurde der Grundstein für die heutige Kirche gelegt und am 22. Juni des folgenden Jahres wurde sie eingeweiht. Zu dieser Zeit wurde Wittenau aus dem Pfarrgebiet herausgenommen und daraus entstanden die Pfarreien St. Nikolaus und St. Martin. Der Konvent sah seine Aufgabe zunächst in der Seelsorge dieses Pfarrgebietes. Eine besondere Note bekam die Seelsorge durch die Ordensgemeinschaft, durch die Ordenstraditionen, die von der Spiritualität des hl. Augustinus und der Ordensheiligen wie der hl. Rita geprägt sind, sowie durch die Tatsache, dass die Brüder, die in Berlin wirken, meist aus anderen Regionen stammen. Seit einigen Jahren werden auch außerordentliche Seelsorgeaufgaben vom Konvent aus wahrgenommen, so die Stelle eines Krankenhausseelsorgers sowie Meditations- und Exerzitienangebote.

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