Ökumene wagen im Jahr des Reformationsgedenkens

Erfurter Augustiner bekommen Gastrecht in der Evangelischen Reglergemeinde

Das (ökumenische) Lied "Macht hoch die Tür" ist für viele von uns so etwas wie DIE Hymne des Advent. Sein Text stammt in Ahnlehnung an Psalm 24 aus der Feder des Königsberger Pfarrers Georg Weissel. Der hatte es zur  feierlichen Einweihung der Altroßgärter Kirche am 2. Advent des Jahres 1623 verfasst.

Eine zweite Geschichte verbindet sich mit diesem Lied. Der Gutsherr Sturgis habe den direkten Weg zur Kirche vom Armenhaus durch seinen Garten versperrt. Erst das Singen des „Macht hoch die Tür“ habe den Reichen so angerührt, dass er zur Weihnacht die verschlos­se­ne Pforte wieder öffnete.

An diesem ersten Advent 2016 konnten wir Augustiner und unsere Erfurter Freunde in einem bewegenden Gottesdienst feiern, dass die Gemeinden zweier Konfessionen sich einander öffnen und die Reglerkirche sowie die Gemeinderäume von nun an gemeinsam nutzen. Beide bleiben in ihrer jeweiligen Konfession beheimatet. Nicht um Vermischung geht es, sondern darum, miteinander auf den einen HERRN zu hören und aus Seinem Geist heraus zu handeln. Orientierung gab uns unter anderem der Text unserer Kirchen "2017 gemeinsam", besonders die dort formulierten fünf "Ökumenischen Imperative": Gemeinsamkeiten statt Unterschiede betonen, nicht auf alten Positionen verharren, die sichtbare Einheit als Ziel suchen, aus der Kraft des Evangeliums leben und Zeugnis für Gottes Gnade geben. Mehr: http://www.2017gemeinsam.de/index.php?id=41.

Unser Miteinander ist nicht aus einer Not heraus geboren, sondern aus dem Wunsch, konkrete Schritte aufeinander zu zugehen. Das geschieht auf Augenhöhe, da jede Seite ein gesundes Selbst­bewusst­sein hat. Für uns als Augustiner-Kommunität ist es die Fortsetzung dessen, was wir in Regler bereits seit unserem Einzug in unsere Mietwohnung im Gemeindehaus erfahren haben: ein vertrauens­volles Miteinander.

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!" - Trotz mancher Verletzung ruft uns der HERR zu Einheit und Versöhnung. Wo wir einander die Herzenstüren weit öffnen, da kommt der HERR auch zu uns: Da kann er mitten unter uns lebendig sein.

Schlüsselübergabe durch Ulrich Oelze, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, an die Augustiner.

Besonders danken wir Augustiner Bischof Dr. Ulrich Neymeyr von Erfurt. Er hat unsere Annäherung von Anbeginn an begleitet und unterstützt.

Im Vorfeld hatten wir eine "Präambel" erarbeitet, die im Gemeindebrief von Regler "Kooperationsvertrag" genannt wird. In erster Linie ist es aber eine Willenserklärung, die uns hoffentlich auf eine gute Spur bringt und die immer wieder neu sich mit Leben füllen möge. Den Inhalt dieser Präambel kann man im aktuellen Gemeindebrief online nachlesen: http://www.reglergemeinde.de/fileadmin/user_upload/Gemeindebrief/GB_Dez16-Feb17.pdf Wir bitten herz­lich um Ihr Gebet, dass dieses ökumenische Miteinander von Gottes Geist geführt werde.

Damit geht auch unsere Präsenz an der St.-Crucis-Kirche zu Ende. Am Freitag vor dem 1. Advent hatten wir Gott und der Gemeinde gedankt für die gesegnete Zeit in diesem barocken Kleinod. Über zwei Jahre lang konnten wir dort fast täglich die Eucharistie feiern, die doch der Kern unserer Klostergemeinschaft ist; das Zentrum auch unserer anderen Initiativen und das Zentrum der meisten Menschen aus dem Kreis, der sich mit uns auf die Suche gemacht hat nach Gott, der uns innerlicher ist, als wir uns selber sind (Augustinus). Das hat ausgestrahlt auf Menschen in unserer Stadt und darüber hinaus, die nicht Christen sind, und die dennoch nach dem Wahren und Richtigen suchen. Wir konnten in St. Crucis monatlich eine Stunde Anbetung feiern, einladen zu besonderen Themenabenden, Lesungen und Konzerten, konnten die „Nacht der Kirchen“ mit einem besonderen Akzent gestalten, mit einem Kreis Augustins Confessiones lesen, die augustinischen Feste würdig feiern und im Garten oder im Kreuzgang Klosterbier ausschenken. Ein besonderer Höhepunkt war die Ausstellung „Thema:Kreuz“, die Stefan Kratsch für uns und mit uns organi­siert hat. Zwischen dem 14. August und dem 14. September, dem Fest Kreuzerhöhung, haben rund 1000 Menschen die Crucis-(also: „Kreuz“)-Kirche besucht und sich vom Kreuz und seinen vielen Facetten berühren lassen. Die Gespräche mit vielen dieser Menschen haben wiederum uns sehr berührt. Dass wir dann auch einen Kreuzweg durch die Ausstellung gebetet haben, hat uns die spirituelle Dimension noch einmal mehr bewusst gemacht.

Die Angebote, die sich in den vergangenen Jahren allmählich entwickelt haben, gehen nun also mit uns in die Reglerkirche. Die kürzeren Wege, die wir damit haben, sind nur ein schöner Nebeneffekt. Wichtig ist auch, dass wir nun viel mehr Räume zur Verfügung haben. Außerdem liegt die Reglerkirche in der sehr belebten Bahnhofstraße. So haben wir einigen Grund zu hoffen, dass man uns dort auch leichter findet.