Studienseminar St. Josef

Vorfahrtszeichen für junge Menschen

Unser gemeinsames Interesse an einer guten Zukunft des Gymnasiums rührt für uns Augustiner aus der Verbundenheit fast von Anfang an. Als für das noch junge Gymnasium im 17. Jahrhundert eine neue Trägerlösung gesucht wurde, fiel das Los auf uns.

Vom damaligen Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg heißt es: Der Fürstbischof handelte im Interesse seiner Kammer und überließ denen Pfarrei und Gymnasium, die das günstigste Angebot gemacht hatten. Dem Münnerstädter Pfarrer Schunk wurde auf seine Eingabe vom 2. Januar 1685 erklärt, dass seine hochfürstlichen Gnaden beschlossen hätten, den PP. Augustinern, die an dem gewöhnlichen Salar 200 Gulden weniger als die Clerici nehmen wollten (was in jetzigen schweren Zeiten wohl zu bedenken sei), die Pfarrei und Schule zu überlassen; wollte jedoch der zeitliche Pfarrer sich zu eben diesem verstehen, so könne er vor den Augustinern den Vorzug haben. Schon wenige Tage später, am 8. Januar, wurde den Augustinern die Urkunde ausgestellt. (vgl. Back, Augklo M, 109) 

Schon damals ging es also nicht ums Verdienen, sondern um die Zukunft - der Schule und natürlich auch des Augustinerklosters und des Ordens. Das Gymnasium ist inzwischen schon lange in staatlicher Hand und wird durch den Landkreis Bad Kissingen getragen. Heute stehen wir jedoch in einem der Häuser, die zum Fortbestand der Schule wesentlich waren, im Studienseminar St. Josef. Das andere Internat, die Klosterschule, ist heute das Jugendhaus am Dicken Turm. Auch hier ein kurzer Rückblick in die Geschichte:
Auf Wunsch König Ludwig I. von Bayern wurde das Seminar am 24. Oktober 1841 ins Leben gerufen. Dem gingen Jahre der Verhandlungen voraus. In einem Schreiben der Kgl. Regierung von 1829, das finanzielle Unterstützung aus einem Fonds in Aussicht stellte, wurde gebeten, es solle untersucht werden
1. ob zur Herstellung eines seminarii puerorum im Kloster bauliche Schwierigkeiten im Wege stünden;
2. Welche Kosten für ein Institut von 20 bis 30 Zöglingen erwachsen würden und wie hoch die Verpflegung für einen Zögling in Anschlag zu bringen sei.

Schon damals also waren die Kernfragen die gleichen: Wie kommt der Umbau zustande und was wird ein Essen kosten - nur die Variante mit dem Tablettsystem fehlt dabei. Einen großen Fortschritt bedeutete dann der Neubau des Seminars 1906, vor bald 100 Jahren. Auch dazu als Schlaglicht ein kurzer historischer Verweis. In den Statuten von damals heißt es unter §2: Das Seminargebäude erhebt sich in gesunder Lage unweit des K. Gymnasiums. Es ist ein stilvoller Bau mit schönen Räumen, die alle mit Licht und Luft reichlich bedacht sind. Das Seminar hat helle, geräumige Gänge, einen schön ausgestatteten Baderaum, Niederdruck-Dampf-Heizung, Wasserleitung und elektrisches Licht, in den Studiersälen indirektes elektrisches Bogenlicht. Zur körperlichen Erholung dient außerdem ein das ganze Gebäude umziehender, gut gepflegter Garten mit Spielplatz, Turngeräten und Kegelbahn. Wir übergeben heute einen Teil dieses Hauses an das Gymnasium zur Erweiterung seiner Räumlichkeiten im Zuge der GT8 Bedürfnisse einer Ganztagesbetreuung der Schüler.

So darf ich heute dem OSt.direktor Hans Dietrich Unger stellvertretend für das ganze Gymnasium viel Erfolg und Gottes Segen bei dieser Aufgabe und eine gute Zusammenarbeit mit uns Augustinern wünschen. Dem Mieter, dem Landkreis Bad Kissingen, repräsentiert durch den Landrat Herrn Thomas Bold, darf ich für das konstruktive Verhandlungsklima herzlich danken und dem Landkreis und uns Augustinern mindestens einen so langen Atem wünschen wie die Laufzeit der Fördergelder währt. Schließlich gilt mein Dank dem Architekten Herrn Siegfried Mahlmeister, seinem Büro und den beteiligten Firmen, für das inzwischen schon lange, aber vor allem gute Zusammenwirken in allen Fragen.

Zu guter Letzt möchte ich aber auch noch meinen Brüdern vor Ort im Konvent St. Josef meinen Dank aussprechen, die an vielen notwendigen Lösungen mitgearbeitet haben und das Leben in der Baustelle wie auch alle anderen Bewohner ertragen mussten. Ich schließe mit einem Wunsch. Mein Wunsch geht an alle jungen Menschen, die hier im Hause ein- und ausgehen, dass sie die Möglichkeiten des Lernens und Lebens ausschöpfen und dazu alle Unterstützung bekommen, die sie für ihre Entwicklung und ihr Leben brauchen. So möge die Inschrift am Hauptportal „Deo et Juventuti" seine Gültigkeit behalten und sich auch weiterhin als eindeutiges Vorfahrtszeichen für junge Menschen in diesem Hause bewähren.

Hort im Studienseminar St. Josef in Münnerstadt: Engagement/Jugendpastoral/Hort Münnerstadt